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Die
Mitarbeiter und ihre Ich-Zustände
Nun
gibt es bei diesen Einzelgesprächen jedoch nicht nur Themen, die
wichtig sind und auf die man sich einstellen sollte, sondern auch Typen.
Ich spreche bewusst von Typen, denn wenn auch jeder Mitarbeiter ein Individuum
und als solches einzigartig ist, so gibt es doch bestimmte Verhaltensweisen
und Kommunikationsstile, die immer wieder ähnlich auftauchen und
die man cum grano salis typisieren kann.
Vielleicht
treffen Sie bei Ihrem ersten Gespräch auf jemanden, der das Gespräch
folgendermaßen eröffnet: "Wie gut, dass jetzt endlich
ein neuer Chef kommt. Hier liegt ja seit einer ganzen Weile so ziemlich
alles im argen. Wenn ich Ihnen jetzt gerade aus dem Stand aufzählen
wollte, was bei uns in letzter Zeit alles schiefgelaufen ist, säßen
wir heute Abend noch hier! Vor allen Dingen im ... müsste dringend
etwas getan werden, und auch bei ... müsste einiges unternommen werden!"
Auch der Tonfall, in dem dies vorgetragen wird, macht Ihnen klar, dass
Sie sich das Ausmaß des Jammers in dieser Abteilung gar nicht groß
genug vorstellen können. Auf die Frage, wo der Mitarbeiter seinen
Aufgabenbereich sieht, erhalten Sie zur Antwort, was man ihm bisher alles
an Arbeiten zugewiesen hat, und auf die Frage nach seinen Zielen erfolgt
nur neuerliches Gejammer, so dass Ihnen sehr schnell klar wird, dass Eigeninitiative
bei diesem Mitarbeiter nicht zu den deutlich ausgeprägten Stärken
zählt. Aber immerhin scheint er fügsam und willig, was man von
Ihrem nächsten Gesprächspartner nicht behaupten kann.
Der
poltert nämlich gleich los: "Ich weiß überhaupt nicht,
was ich hier soll! Wieso reden Sie überhaupt mit jedem einzelnen?
Wollen Sie uns aushorchen? Sind das die neuen Management-Methoden "
die Kollegen gegeneinander ausspielen? Da mach ich aber nicht mit! Und
die Kollegen auch nicht, das kann ich Ihnen versichern!" Ihnen dämmert,
dass dieses Gespräch unter Umständen ein bisschen schwierig
werden könnte, dito die weitere Zusammenarbeit mit dem Raubein. Es
sieht so aus, als hätte er sich "Seid Sand, nicht Öl im
Getriebe..." als Devise gewählt. Das kann ja heiter werden!
Ihr
drittes Gespräch fängt freundlich, sachlich und informativ an
- Sie atmen auf, es gibt ihn also noch, den unkomplizierten Mitarbeiter
- und fragen ihn, wie er die Situation in der Abteilung beurteilt. Und
nun kommt Ihr Mitarbeiter so richtig in Fahrt: "Als erstes sollten
Sie mal den Klüngel im Sekretariat auf Trab bringen! Da wird ja mehr
Kaffee getrunken als gearbeitet! Auf jeden Fall müssen die folgenden
Abläufe neu geordnet werden (es folgt eine längere Aufzählung).
Die Ablage in dieser Abteilung ist absolut chaotisch.. Und wenn ich Ihnen
etwas raten darf, den Mayer müssen Sie unbedingt im Auge behalten,
der ist so unzuverlässig, den müssen Sie ganz eng führen!"
Die Botschaft hinter all dem ist ganz klar: Wenn Sie sich strikt an die
Anweisungen Ihres Mitarbeiters halten, ist er gern bereit, Sie als Chef
zu akzeptieren.
Die
Mitarbeiterin, mit der Sie das nächste Gespräch vereinbart haben,
beurteilt die Lage so: "Im großen und ganzen sind alle hier
in der Abteilung sehr nett, aber manche haben schon sehr, sehr viel zu
tun, die sind echt überarbeitet. Nehmen Sie zum Beispiel Herrn Mayer,
der gilt bei manchen wohl als unzuverlässig, aber der hat einfach
viel zu viel am Hals. Weil er sich hier am besten auskennt, kommt jeder
zu ihm gerannt, der schafft sich noch zu Tode. Ich finde, da muss dringend
etwas getan werden. Das kann die Firma doch nicht zulassen. Genauso Frau
Schmidt! Was sitzt die immer lang im Büro! Man kann doch die Leute
hier nicht so verheizen!" Der Appell an Sie ist eindeutig: Retten
Sie die armen Menschen vor den Machenschaften eines üblen Ausbeutersystems!
Kümmern Sie sich endlich darum, dass keiner Ihrer Mitarbeiter an
Herzinfarkt, Magengeschwür und was es noch an Stress-Symptomatik
gibt leidet, wenn diese es schon nicht selbst tun!
Beim
nächsten Gespräch, das Sie führen, hat es sich in der Mitarbeiterschar
schon herumgesprochen, dass Sie jedem die Frage stellen, was er von der
Situation in der Abteilung hält, und so kommt Ihr Mitarbeiter gut
gerüstet mit drei dicken Aktenordnern unter dem Arm durch Ihre Tür.
Beginnend mit den allgemeinen Unternehmenszielen, leitet er daraus die
besonderen Aufgaben der Abteilung ab, zeigt Ihnen anhand von ausführlichem
Zahlenmaterial die Entwicklung der Abteilung in den vergangenen drei Jahren
auf und erschlägt Sie anschließend mit einer langen Latte von
Statistiken. Nach diesem Gespräch tut es Ihnen leid, dass Sie im
Büro grundsätzlich keinen Alkohol trinken.
Nach
all diesen Erfahrungen sind Sie umso überraschter über das letzte
Gespräch, das Sie führen. Ihr Mitarbeiter kommt fröhlich
und aufgeschlossen zu Ihnen und beglückwünscht Sie zunächst
einmal zu Ihrer neuen Position, ist offensichtlich an Ihnen interessiert,
erzählt begeistert und überschwänglich von seinen Aufgaben,
skizziert seine neuesten Ideen und lädt Sie zum Abschluss des Gesprächs
zu einem Grillabend ein. Sie freuen sich zwar ehrlich über jemanden,
der zumindest den Eindruck vermittelt, leicht und unkompliziert im Umgang
zu sein, doch Sie fragen sich schon etwas ratlos, wie Sie denn nun all
diese verschiedenen Typen unter einen Hut bringen und führen sollen.
Nicht
nur als frischgebackener Chef sollte man sich darüber im Klaren sein,
dass die Verschiedenartigkeit der Charaktere auch jeweilig unterschiedliches
Führungsverhalten erfordert. Wo ich den einen ermutigen muss, muss
ich den anderen bremsen. Wo das Setzen einer klaren Grenze, in hartem
Ton vorgetragen, bei dem einen die angemessene Reaktion ist, braucht der
andere allerhöchstens einen zarten Wink. Wer ein gutes theoretisches
Modell sucht, mit der sich die Verschiedenartigkeit, wie Menschen kommunizieren,
sehr leicht verstehen lässt, und das einen sehr brauchbaren Praxistransfer
liefert, findet es in der Transaktionsanalyse. Wie oben schon erwähnt,
untersucht die Transaktionsanalyse, was eigentlich alles passiert, wenn
Menschen mit sich und mit anderen umgehen. Im folgenden werde ich daher
einige wenige, wesentliche Grundbegriffe der Transaktionsanalyse erläutern.
Beginnen
wir mit dem Begriff "Ich-Zustand". In der Transaktionsanalyse
ist Ich-Zustand eine Einheit von Denken, Handeln und Fühlen. In jedem
der verschiedenen Ich-Zustände, die uns zur Verfügung stehen,
denken, handeln und fühlen wir anders als in einem anderen, kommunizieren
deshalb auch anders, weshalb es sinnvoll ist, auch jeweilig anders darauf
zu reagieren.
Zunächst
unterscheidet die Transaktionsanalyse drei Ich-Zustände: das Eltern-Ich,
das Erwachsenen-Ich und das Kind-Ich.
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