Warum über Scherben laufen?

Aus Firmensicht gibt es viele Gründe für Weiterbildungsmaßnahmen: Soll im Unternehmen wirklich etwas langfristig verändert werden, dienen die Kurse nur dem Image oder schlichtweg der Pflichterfüllung?
Wenn die Gürtel enger geschnallt werden müssen, kommen die Verantwortlichen allerdings in den Unternehmen über die nachhaltige Wirkung der angebotenen Fortbildungsmöglichkeiten ins Grübeln. Dann stellt sich nämlich die Frage, ob Varianten wie über Scherben oder Kohlen laufen, Kanu Fahren und Hochseilakrobatik die Mitarbeiter wesentlich in ihrer Entscheidungsfähigkeit und Sozialkompetenz stärken.
Unsere Partner sagen: "Wir wollen ein maßgeschneidertes Training, das unseren Managern und Mitarbeitern wirklich was in die Hand gibt, damit sie den alltäglichen Anforderungen im Job gewachsen sind. Das geht auch in einem spartanischen Raum im Seminarhotel; ist zudem günstiger und erfolgversprechender!".

Motivationsgurus wie Höller und Konsorten haben ausgedient. Deren Botschaften will heute keiner mehr hören. Immer mehr Firmen verzichten auf die teuren Motivationsseminare, für die Höller nach eigenen Angaben bis zu 22.000,-- Euro pro Tag kassiert haben will. Das Geheimnis seiner Erfolge war weniger der Inhalt seiner Vorträge "als die Chuzpe, mit der er das Nichts glamourös dekorierte. Mit der er für jede Sekunde Stumpfsinn einen Euro verdiente." (vgl. spiegel-online vom 22. Juli 2002). Der Feuerläufer und Machbarkeitsfanatiker mit dem Credo "Du kannst es, wenn Du nur willst" hat sich selber entzaubert. Er ist pleite und gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren.

In den Unternehmen ist inzwischen bekannt, dass Investitionen in eine qualitativ hochwertige Weiterbildung eine Wertschöpfung darstellt, die dem Unternehmen selbst wieder zugute kommt. Es gilt der Grundsatz "Wer aufhört, seine Mitarbeiter weiterzubilden, um Geld zu sparen, kann auch seine Uhr anhalten, um Zeit zu sparen".
In der betrieblichen Weiterbildung kommen die Budgets allerdings immer mehr unter Druck. Effizient sollen die finanziellen Mittel eingesetzt werden und praktischen Nutzen nach sich ziehen. Dabei geht der Trend weg von "dicken Katalogen mit einer Vielzahl möglicher Weiterbildungsinhalte hin zu bedarfsorientierten Lösungsangeboten." (Wirtschaft & Weiterbildung, Ausgabe 02/1998). Reiner Wolf von der Unternehmenskommunikation der Allianz sieht den Trend hin "zu maßgeschneiderten Angeboten für einzelne Abteilungen und Fachbereiche".
Immer wichtiger werden dabei die Schlagwörter "Sustainability", zu Deutsch: Nachhaltigkeit und "Praxistransfer". Nicht mehr die generelle und oft möglichst teure Schulung steht im Mittelpunkt, sondern ein funktionierender Wissenstransfer von der Theorie in die Praxis. Frei nach dem Motto: Nicht für einen Tag gedopt, sondern für zehn Jahre gebildet! Wie können Seminaranbieter bzw. Beratungsunternehmen diese Zielsetzungen ihrer Kunden unterstützen?

Beratungsleistung im Vorfeld des Trainings

Der erste Schritt ist, den Unternehmen eine intensive Beratung im Vorfeld anzubieten. Durch eine flexible, zielorientierte und individuelle Beratung kann die Nachhaltigkeit des Seminars und damit der Nutzen für die Teilnehmer bzw. das Unternehmen eingeleitet werden. Die Vorgespräche dienen dazu, gemeinsam mit dem Auftraggeber die Situation, den Bedarf, die Bedürfnisse, die Motive und die gewünschten Lernziele sauber zu klären. Auf Grund dieser Angaben wird das Seminar dann speziell für diesen Kunden zugeschnitten.

Theorie immer mit Praxis verbinden

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Umsetzung der Inhalte dann am besten gelingt, wenn man den Teilnehmern schon während des Seminars die Gelegenheit gibt, neues Verhalten (z.B. im Mitarbeitergespräch) systematisch aufzubauen. Nur so kann das Neugelernte im Berufsalltag sofort umgesetzt werden. Neue gewünschte Verhaltensmuster brauchen allerdings etwas Zeit und Übung, um sich zu etablieren. Sie sollten deshalb so lange mit dem Teilnehmer mit Hilfe von Videoaufnahmen trainiert werden, bis sie für ihn "stimmig" sind und er darauf vertraut, dass er ab jetzt auf die bisher schwierige Situation anders reagieren kann. Sicherlich hilfreich ist es dabei, jeden Theorie-Input mit praktischen Übungen zu verknüpfen, um den Teilnehmern die Möglichkeit zu bieten, gleich das Gehörte auszuprobieren. Unsere Seminarteilnehmer sprechen nach dem Training gerne von einer "gelungenen Mischung aus Theorie und Praxis".

Praxis der Teilnehmer nutzen

Nicht die externen Trainer, sondern die Führungskräfte und Mitarbeiter in den Seminaren kennen ihre Praxis am besten! Deshalb sollten reale Probleme einer Führungskraft (z.B. Wie führe ich ein Kritikgespräch, ohne das der Mitarbeiter zumacht?) oder belastende Konflikte zwischen Mitarbeitern (Wie sage ich meinem Kollegen, das ich seinen Umgangston nicht o.k. finde?) Mittelpunkt des Trainings sein. Durch die Arbeit mit Fällen und Problemen, die Teilnehmer aus ihrem Berufsalltag mitbringen, wird zusätzlich der Praxistransfer unterstützt, denn alles, was im Seminar behandelt wird, kann unmittelbar im Berufsleben umgesetzt werden. Somit kann dann auch getrost auf vorgegebene, gestellte Rollenspiele, Planspiele oder aufwendige Szenarien verzichtet werden.
Wenn mit relativ einfachen Mitteln so viel erreicht werden kann ... warum dann über Scherben laufen?

Übrigens: Nicht nur die Methoden auch die Inhalte haben sich verändert. Weg vom "Positiv denken um jeden Preis" hin zu "Konfliktmanagement-Trainings", die dem Bedürfnis von Führungskräften und Mitarbeitern Rechnung tragen, sich mit diesen Schlüsselqualifikationen weiterzubilden. Mehr dazu im nächsten Newsletter.

Weitere Links zum Thema:
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,206283,00.html
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,196813,00.html
http://www.wirtschaftundweiterbildung.de/viewArticle.cfm?articleID=2221

Konstantin Warth (konstantin.warth@konstanzer-seminare.de)